Selbstbehauptungstraining für Jungen und Mädchen

Die Sorge „Wie schütze ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch?“ beschäftigt viele Eltern. Auch Schulen, Vereine, Jugendarbeit und andere Institutionen greifen das Thema auf – vor allem, wenn im Umfeld ein Übergriff bekannt geworden ist. Auf der Suche nach schnellen und möglichst effektiven Lösungen wird häufig auf Selbstbehauptungskurse zurückgegriffen.

Dabei ist oft das Problem, dass die Gefährdung von Kindern hauptsächlich durch Außenstehende gesehen wird. Die Angst vieler Eltern gilt dem Fremden, der versucht, ihr Kind ins Auto zu zerren. In den Medien wird ein vermeintlicher oder tatsächlicher Übergriff oft so sehr skandalisiert, dass die Eltern in Panik geraten und die Gefahr „da draußen“ ungeheuer hoch einschätzen. Viele Kurse versprechen Sicherheit und Abwehr gegenüber Fremdtätern und fokussieren ihre Kursinhalte auch darauf. Da aber Mädchen und Jungen in erster Linie im sozialen Nahbereich sexuelle Gewalt erfahren, geht diese Art Kurs an der Realität vorbei. Hier wird viel Geld mit der Angst von Eltern verdient.

Ziele

  • Förderung einer positiven Selbsteinschätzung
  • Erhöhung des Selbstwertgefühles, Selbstvertrauens und der Selbstachtung
  • Entdeckung eigener Kräfte und Stärken
  • Stärkung der individuellen Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit
  • Wahrnehmung von Grenzverletzungen
  • Stärkung der Fähigkeit, Grenzen zu setzen
  • Thematisierung von geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen
  • Stärkung der Fähigkeit, sich gegenüber Erwachsenen zu behaupten
  • Ermutigung, eigene Interessen und Bedürfnisse zu verfolgen
  • Verfügung über mehr verbale und körperliche Ausdrucksmöglichkeiten
  • Erweiterung und Erprobung von Handlungsalternativen
  • Kennen lernen einfacher Techniken der Selbstverteidigung
  • Förderung von eindeutiger Kommunikation
  • Information über sexualisierte Gewalt
  • Klarheit darüber, dass allein der Täter Verantwortung und Schuld hat
  • Wissen, dass Erwachsene für den Schutz von Kindern verantwortlich sind
  • Information über Hilfemöglichkeiten
  • Ermutigung, Hilfe bei Erwachsenen zu holen
  • Information über Kinderrechte

Leistung & Prozess

  • Die Mädchen und Jungen erhalten zum Kursbeginn einen Überblick über das geplante Programm
  • Der Kurs ist so angelegt, dass die Kinder ermutigt und nicht verängstigt werden
  • Kinder sollen an der Ausgestaltung des Programms beteiligt sein
  • Alles im Kurs ist freiwillig
  • Es werden Gruppenregeln vereinbart, die Vertraulichkeit und Verschwiegenheit thematisieren sowie den respektvollen Umgang der Gruppenmitglieder untereinander
  • Es werden ebenfalls Regeln vereinbart für den Fall, dass ein Kind eine bestimmte Übung nicht mitmachen will, nicht berührt werden will u. ä. 
  • Inhaltliche Priorität hat das, was die Kinder einbringen
  • Der Kurs setzt an den Stärken und Energien der Mädchen und Jungen an
  • Das Motto ist: Sich zu wehren ist ein Recht, kein Muss. So bleibt die Verantwortung beim Täter
  • Priorität haben Abwehrstrategien, die auch im sozialen Nahbereich, wo der Gefährdungsschwerpunkt liegt, Anwendung finden (z. B. Hilfe holen)
  • Es wird vermittelt, was realistisch machbar ist, damit es keine Selbstüberschätzung oder Schuldübernahme gibt
  • Der Kurs berücksichtigt Mädchen und Jungen in ihrem Geschlecht, ihrem kulturellen und familiären Hintergrund, ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten